Kaffeepause

Kaffeegeschirr2

Foto: Gordon Hiller

 

„Gastfreundschaft ist in unserer Zeit der Türöffner für das Evangelium.

Wenn Menschen erleben, dass sie geliebt und geschätzt sind, werden sie das

Evangelium der Liebe Gottes mit ganz anderen Ohren hören.“

(David Schimmel)

 

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Foto: Anja Neißner

 

Jesus: Für wen hältst Du mich?

von Anja Neißner (09/2018)

Letzte Woche bekam ich die Frage von Jesus plötzlich auch selbst gestellt: Für wen hältst Du mich?

Mein Onkel war gestorben und wir sind mit einigen Kusinen und Cousins zur Beerdigung nach Liechtenstein gefahren. Wir hatten eine sehr weite Fahrt, aber dann war alles sehr feierlich. Eine schöne Kirche auf einem Berg mit atemberaubendem Weitblick.

Friedhof Liechtenstein

Foto: Anja Neißner

 

Die Enkelin meines Onkels spielte Harfe und sang zwei berührende Lieder und irgendwann kam der Moment, zur Kommunion zu gehen.

Ich stand auf und wollte hinter meinen Kusinen und Cousins her nach vorne gehen, aber alle blieben sitzen. Die Bank war sehr eng und ich kletterte umständlich über sie hinweg und fragte mich dabei, warum sie nicht auch gingen. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Meine Kusine ist geschieden und wiederverheiratet. Mein mitgereister Cousin ebenfalls. Mein anderer Cousin ist homosexuell. Mein Mann, hatte keinen Urlaub bekommen können. Wenn er dabei gewesen wäre, hätte er auch nicht mit zur Kommunion gehen können. Er ist nämlich evangelisch. Diese Menschen habe ich mir nicht ausgedacht. Sie alle will die katholische Kirche nicht bei der Kommunion dabei haben. Ich nahm den Leib Christi fast schuldbewusst entgegen, ich hatte keine Freude daran. Als ich wieder in die Bank zurückging und über die Beine und Füße der anderen stieg, war ich  peinlich berührt. Ich kniete mich, um zu beten, und dann fragte mich Jesus: Für wen hältst Du mich? Ich wusste es in dem Moment nicht. Was ich wusste war, dass ich mich schlecht fühlte.

Nach einer langen 6-stündigen Autofahrt nach Hause zurück, nach Gesprächen, die wir im Auto darüber geführt haben und nach den Tagen, die bisher vergangen sind, wurde mir für mich klarer, für wen ich Jesus halte – ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus so ist. Wenn er die Kommunion verteilt hätte, glaube ich persönlich, dass er meine Kusinen und Cousins und meinen Mann nach vorne gerufen und sie eingeladen hätte, die Kommunion zu empfangen. Ich kann und will einfach nicht glauben, dass Jesus Menschen so ausschließt. Menschen, die eigentlich Interesse an ihm haben. Dass er Menschen ausschließt, die das Brot mit ihm teilen möchten.

Lange Tafel

Foto: Melanie Welter

 

 

Gedanken zum Evangelium anlässlich des Hubertus-Gottesdienstes im November 2018

von Anja Neißner

Als ich das Evangelium erstmals zur Vorbereitung des heutigen Kirchencafés las, war ich mir nicht sicher, ob ich es verstanden hatte. Ich war mir nicht sicher, ob ich in der Lage wäre, dazu etwas zu sagen. Es klang für mich in Zeiten von Klimawandel, in Zeiten, in denen die Pole abschmelzen und in denen rechtes Gedankengut wieder salonfähig zu werden scheint, geradezu bedrohlich. Bedrohlich in Zeiten, die eh schon oft Angst machen.

Es klang für mich nämlich wie die Vorhersage des Weltuntergangs. Ich mochte den Text nicht.

Und dann, nach mehreren Tagen, an denen ich diesen Text hatte sacken lassen, sagte ich mir, dass das Wort „Evangelium“ übersetzt doch „Frohe Botschaft“ heißt, dass es mir keine Angst machen sollte und so las ich mir den Text unter diesem Aspekt noch einmal durch.

Und dann klang dieser Text, der für mich erst nach Weltuntergang geklungen hatte, und so angsteinflößend war, auf einmal anders, als beim ersten Mal.

Das, was da geschrieben stand, erinnerte mich nicht mehr an den Weltuntergang unserer Erde, sondern ich sah darin plötzlich die Krankheit und das Sterben meines Vaters vor zwei Monaten. Ich las es noch einmal:

In jenen Tagen nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“

So muss es sich doch für meinen Vater angefühlt haben, als sein Leben aus den Fugen geriet und er sich mit seiner beginnenden Demenz nicht mehr in seinem bisherigen Leben zurechtfand.

So muss es sich doch auch in meinem Leben erst einmal anfühlen, wenn es aufgrund einer Krankheit, einer Diagnose, eines Anrufs, eines schweren Unfalls, einer Naturkatastrophe oder dem Verlust eines geliebten Menschen aus den Fugen gerät. So muss es sich doch anfühlen, wenn ich einen schweren Fehler begangen habe, von dem ich glaube, dass ich ihn nicht wieder gut machen kann. Das ALLES fühlt sich an wie ein Weltuntergang. Ein Weltuntergang meiner inneren Welt.

So ging es übrigens auch dem Heiligen Hubertus: Nachdem seine Frau bei der Geburt des ersten Sohnes gestorben war, war seine Welt, wie er sie für sich geplant hatte, zusammengebrochen. Hubertus suchte danach jahrelang auf der rücksichtslosen Jagd in den Wäldern des Ardennengebirges Ablenkung von seinem Schmerz. Er verrannte sich regelrecht darin.

Eines Tages begegnete er dann einem kapitalen, weißen Hirsch, dem er tagelang verbissen nachstellte, bis er sich immer tiefer in den Wäldern verirrte, und schließlich das erschöpfte Tier vor seine Waffe bekam. Doch ehe er blutrünstig zum tödlichen Schuss abdrücken konnte, sah er ein leuchtendes Kreuz zwischen dem Hirschgeweih. Tief berührt von diesem Ereignis beschloss er, sein Leben zu ändern – rücksichtsvoll zu leben, mit Achtung vor jeglicher Kreatur und mit Blick auf Gott.

Und an dieser Stelle kommt das Bild des Feigenbaumes und des Sommers aus dem Evangelium zum Tragen. Der Baum und der Sommer sind Symbole für die Hoffnung. Die Hoffnung und Zusage, dass alles gut wird. Die Hoffnung darauf, dass auch nach meinem inneren Weltuntergang ein neuer Sommer kommen kann. Die Hoffnung darauf, dass auch, wenn mir mein Leben durch Krankheit nicht mehr lebenswert erscheint, ich irgendwann Ruhe und Frieden bei Gott finde.

Mit der Ankündigung der Endzeit im heutigen Evangelium ist aus meiner Sicht nicht der Weltuntergang, sondern die Zeit der Entscheidung gemeint. Die Zeit der Entscheidung in meinem Leben, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt. Die Zeit der Entscheidung, die dann nur ich treffen kann. Die Zeit der Entscheidung, wenn ich etwas in meinem Leben beenden möchte, um etwas Neues zu beginnen.

Im Evangelium heißt es weiter: „Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen. Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten (…) zusammenführen (…) Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.“

Hier ist von unserer Vergänglichkeit und dem Tod die Rede. Mein Vater hat uns in den letzten beiden Jahren immer wieder mal gefragt, wer das kleine Mädchen ist, das so oft bei ihm sitzt. Wir konnten es nicht sehen. Ob es einer der ausgesendeten Engel war? Das Wissen um die Vergänglichkeit all dessen, was uns lieb und teuer ist, soll uns keine Angst machen. Es soll uns viel mehr ermutigen, heute so zu leben, als könnte morgen das Ende sein. Heute saftige Zweige, grüne Blätter und wärmende Sonne als Zeichen der Hoffnung zu erkennen.

Heute das Gute tun, heute verantwortungsvoll jagen, heute lieben, heute tanzen, heute vergeben – und nicht erst morgen. Damit wir bereit sind. Damit er uns antrifft, wenn er kommt. Damit er uns mitnehmen kann in das Neue, wie Hubertus. Und damit er uns irgendwann einmal mit denen zusammenführen kann, die uns vorausgegangen sind.

Es gibt sicher noch viele andere Möglichkeiten, dieses Evangelium zu interpretieren. Ich weiß nicht, ob ich es richtig verstanden habe. Aber es könnte doch eine Möglichkeit sein.

Wenn wir glauben, dass Jesus uns an unserem Ende entgegenkommt, dass er uns alle einmal wieder zusammenführt, dann sind wir dem Einbruch des Chaos´ in unserem Leben nicht ausgeliefert.

Ich bin zumindest überzeugt, dass es schön ist, dieses Neue – sei es im selbst gewählten positiven Wandel meines Lebens hier auf Erden, wie bei Hubertus oder sei es, dass ich nach langer Krankheit oder auch nach einem kurzen oder langen Leben Ruhe und Frieden durch den Tod finde – mein Vater sah jedenfalls unendlich friedlich aus.

 

Begrüßung der Firmlinge am Samstag, den 08.06.2019 um 17 Uhr in Ahrbrück

Ich begrüße Sie/Euch alle ganz herzlich. Mein Name ist Anja Neißner, ich komme aus der Pfarrei Heckenbach und bin dort die Vorsitzende des vermutlich letzten amtierenden Pfarrgemeinderates vor Ort, denn die Kirche befindet sich im Wandel. Vieles wird anders.

Keine rosigen Zeiten für die Kirche.

Und was machen hier trotz allem heute 33 Jugendliche? Sie lassen sich firmen.

Was für eine Idee in diesen Zeiten nicht zu sagen, ich mache es wie viele andere und trete aus der Kirche aus, sondern zu sagen, ich lasse mich firmen  –  ich entscheide mich offen für GOTT.

Das ist doch bei einigen Eurer Freunde und Schulkameraden mit Sicherheit so was  von uncool, was Ihr heute macht und in Zukunft vorhabt, dass ich es schon wieder cool finde… und manche Eurer Schulkameraden, das könnt Ihr mir glauben,  bestimmt heimlich auch…

Eines ist jedenfalls sicher! Ihr seid besonders!

Ihr seid besonders, weil Euch bestimmt niemand in der heutigen Zeit gezwungen hat, zur Firmung zu gehen, ok, zwei oder drei vielleicht schon… aber nein, ich denke, es war Eure Entscheidung. Und DAS ist beeindruckend.

Denn!  –  dass wir alle in der heutigen Zeit mit Euch, mit der Jugend rechnen dürfen, hat sich doch längst gezeigt.

Was ein einziger Jugendlicher auslösen kann, das haben uns doch in beeindruckender Weise z.B. Greta Thunberg und zuletzt Rezo auf Youtube bewiesen. Niemand sollte denken: Ich kann nichts bewirken. Ich bin nur ein Einzelner.

Denn jede und jeder von uns  hat ein besonderes Talent mit in die Wiege gelegt bekommen. Manchmal müssen wir  erst lernen, es  zu entdecken, denn manchmal ist  es aus eigener Sicht nur ein ganz kleines Talent, so klein, dass wir es nicht entdecken oder für ein Talent halten. Aber jeder HAT ein Talent. Und egal, was es ist, es ist kein Zufall, dass jeder von uns so ist, wie er ist.

Ich gehe also davon aus, dass den meisten von Euch, also denen, die nicht gezwungen wurden heute zur Firmung zu gehen, etwas an der Kirche liegt, sonst hättet Ihr Euch nicht firmen lassen.

Und deshalb bin ich so gespannt, wie Ihr Eure Talente in unserer Pfarreiengemeinschaft einsetzen werdet. Denn Ihr sprecht die Sprache, die in Zukunft auch in der Kirche gesprochen werden wird, denn Ihr seid die Zukunft  – auch die der Kirche. Für Euch ist das hoffentlich heute nicht der letzte Kirchgang. Nutzt Eure Chance! Erhebt Eure Stimme. Sagt, was Ihr an der Kirche ändern möchtet!

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Und so möchte ich Euch im Namen unserer großen Pfarreiengemeinschaft ganz herzlich zu Eurer Entscheidung zur Firmung zu gehen und natürlich zur Firmung selbst gratulieren. Ich möchte Euch gratulieren zu Eurer Entscheidung für GOTT!

Lasst Euch weiterhin von ihm begeistern gemäß Eurem Firmmotto „You´ll never walk alone“. Der starke Wind heute hat nicht zufällig aufgebraust. Nein, es ist Pfingsten…. Lasst Euch berühren!

Ein großer Dank geht an ALLE, die die Firmlinge auf ihrem Wege bis heute begleitet haben und an alle die, die diesen Gottesdienst vorbereitet und gestaltet haben  – es war inspirierend (und heute auch teils ungewöhnlich)

Abschließend möchte ich  Euch Firmlinge, aber auch alle anderen hier, auch die, die vielleicht schon lange nichts mehr mit Kirche zu tun hatten und die nur hier sind, weil Sie sonst nachher nicht zum Essen erscheinen dürften, einladen, doch einmal gelegentlich  online zu gehen. Kirche kann auch cool sein. Ja, Kirche ist im Wandel.

Wenn man „Pfarreiengemeinschaft Altenahr“  googelt, (vielleicht nicht jetzt sofort), dann findet man unter #Pfarrbrief nicht nur die Heiligen Messen, sondern auch vielfältige, neu entstandene Angebote unserer wirklich lebendigen Pfarreiengemeinschaft .

z.B. Die Gruppe „temptAhre-Innovative Kirche in Mayschoß“, die gerade für Jugendliche interessant sein dürfte,

in Hönningen die „Oase“, unter dem Motto „Eine Stunde für  Gott– eine Stunde für mich“,

in Altenahr den Abend des Lichts, wo man die Möglichkeit hat, bei Live-Musik eine Kerze anzuzünden, Gründe dafür gibt es genug

und das „Kirchencafé Heckenbach“, das  Raum für Musik, lebendige Besinnung und Gemeinschaft bietet,

um nur einmal einige Beispiele zu nennen.

Da sind neue Bilder von Kirche entstanden,

wo vor Ort auf lebendige Art und Weise Glauben gemeinsam gelebt wird – schlicht,

ernst gemeint und leidenschaftlich.

 

Bereichert diese Angebote oder lasst Euch einfach bereichern:

durch Euer Einfach-nur-mal-vorbeischauen,

durch Eure Ideen,

durch Eure Talente,

durch Eure Lebendigkeit,

durch EUCH-

 

So wünsche ich Euch einen wunderbaren Abend,  und feiert schön, denn eine Firmung ist wirklich Grund genug dafür!

Und vor allem: seid ganz herzlich willkommen!

Wir freuen uns auf Euch! Frohe Pfingsten allerseits!

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Entwurf und Foto: Anja Neißner