Vatikan – unsere Initiativen/Leserbriefe

 

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Nachfolgend unser Brief an die Deutsche Bischofskonferenz

 

„Sehr geehrter Herr Bischof Bätzing, sehr geehrter Herr Bischof Ackermann,

sehr geehrte Herren Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz,

mit anfänglichem Entsetzen, und sich daraus entwickelndem Mitleid, haben wir die neuen Instruktionen des Vatikans zur Kenntnis genommen, die wir einerseits als einen Schlag ins Gesicht aller motivierten Laien wahrnehmen, andererseits aber auch als einen Beweis dafür sehen, wie materiell und realitätsfern das Denken der römischen Kirche ist.

Hier geht es nicht mehr im Geringsten um gemeinschaftlich gelebten Glauben. Hier geht es nur um eins: Sorge um das vorhandene Geld und Macht. 

Wir sind überzeugte Christinnen an der Basis. Seit unserer Jugend setzen wir uns mit viel Herzblut und Engagement auf vielfältige Weise in unseren Pfarreien ein und gestalten das kirchliche Leben vor Ort aktiv mit. 

Als Befürworterinnen des synodalen Weges waren wir voller Hoffnung, im geschwisterlichen Miteinander, verheißungsvolle Schritte in die Zukunft wagen zu können, die Erneuerung der Kirche gemeinsam zu gestalten und dabei die Realitäten in den Gemeinden im Auge zu behalten. Wir haben viel Freude, Zeit und Kraft investiert. 

Wir appellieren an alle Verantwortlichen der deutschen Kirche,

gehen Sie mutig den angefangenen Weg mit uns weiter, bleiben Sie Ihrer Linie treu und lassen Sie uns gemeinsam diesen Weg konstruktiv weiter gestalten, anderenfalls bleiben uns letzten Endes mit der jetzt aufgezeigten Perspektive wohl nur noch der Bruch und das Abwenden von der Kirche. Dann würden wir uns außerhalb der Kirche neu organisieren. Seit Corona tun wir dies ohnehin schon virtuell.

Wie auch immer – während die römische Kirche sich weiter ihren Machtspielchen hingibt, feiern wir weiter empathisch, ALLE einladend, gemeinschaftlich und begeistert Gottesdienst. 

Sollte die römische Instruktion bei uns tatsächlich umgesetzt werden, kündigen wir bereits jetzt an, dass wir sämtliche Ämter als Vorsitzende der Pfarrgemeinderäte Heckenbach und Hönningen sowie als Mitglieder im Pfarreienrat Altenahr niederlegen werden; denn für aufgeklärte, demokratische Menschen ist die katholische Kirche dann nicht mehr ernst zu nehmen, sondern nur noch bedauernswert zu belächeln.

Mit freundlichen Grüßen

Anja Neißner und Annemie Ulrich“

 

Nachstehend findet Ihr die Antwort der „Deutschen Bischofskonferenz“auf unseren Brief. Wenn Ihr verstehen solltet, was „man“ uns damit sagen möchte, erklärt es uns bitte, uns hat es sich leider nicht erschlossen.

 

Hier nun die Antwort-Mail von

Herrn Paul Metzlaff:

 

Sehr geehrte Frauen Neißner und Ulrich,

ich danke Ihnen für Ihr Schreiben, dass Sie am 28.07.2020 u.a. an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gerichtet haben. Bitten haben Sie Verständnis, dass Bischof Dr. Bätzing nicht jedes an ihn gerichtete Schreiben persönlich beantworten kann. Ich wurde gebeten, Ihnen zu antworten.

Ich danke Ihnen für Ihr vielfältiges Engagement in unserer Kirche, wie Sie es in Ihrem Brief aufführen. Dabei scheint mir beim Blick auf die Homepage Ihres Kirchencafés, dieses ein Ort zu sein – ich kenne es ja nicht persönlich –, der Menschen außerhalb unserer Kirche erreicht und zusammenführt. Die Instruktion betont gerade zu Beginn, wie wichtig es ist, dass Kirche nach draußen geht und sich dabei besonders den Armen zuwendet. Wie Sie sicherlich durch die verschiedenen kirchlichen Medien entnommen haben, haben sich einige Bischöfe kritisch mit der Instruktion auseinandergesetzt und verschiedene Aspekte betont und kritisiert. Sie werden sich mit der Instruktion auch auf ihrer nächsten Versammlung im August befassen.

Sie erwähnen in Ihrem Schreiben auch den Synodalen Weg, der fortgeführt werden wird, wie die Präsidenten hervorgehoben haben.

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und wünsche Ihnen gesegnete Sommertage.

Mit freundlichen Grüßen
Paul Metzlaff

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Paul Metzlaff, Geschäftsführer der Kommission für „Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste“, Bereich Pastoral, Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz

Ort:     Kaiserstraße 161 | 53113 Bonn, Tel.: +49 228 103-225 Mobil: +49 151 112 71 832

eMail: p.metzlaff@dbk.de

home: www.dbk.de

 

 

Um vieles gehaltvoller und reich an Informationen

(die die Herausgeber der „Instruktion“ aber vermutlich gar nicht gerne hören MÖCHTEN),

 

ist ein Brief des

Theologen Prof. Dr. Heinz-Günther Schöttler,

den er an uns gerichtet hat:

 

Liebe Anja, danke für die schöne Rückmeldung auf meinen Hinweis, dass ihr als Getaufte und Gefirmte weder Erlaubnis noch Bestätigung durch kirchenoffizielle Stellen braucht. Lies mal im 1. Johannesbrief die Verse 20-27:

1 Joh 2 (20) Und ihr, ihr habt die Salbung (chrῖsma) von dem Heiligen ( sc. Gott oder Christus), und so seid ihr alle Wissende. […] (27) Für euch alle gilt: Die Salbung (chrῖsma), die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch. Und ihr habt es nicht nötig, dass euch irgendjemand belehrt, vielmehr ist alles, was seine Salbung (chrĩsma) euch lehrt, wahr und keine Lüge; bleibt in ihm, wie sie [ sc. die Salbung] es euch gelehrt hat.

Hier ist von der Gabe des Geistes an die Gemeinde die Rede. „Salbung“ meint hier nicht den Vorgang der Salbung, sondern die bleibende Wirkung , die die Salbung in den Gesalbten hervorruft. Die Salbung der Priester und Könige im Alten Testament ist hier aufgerufen, aber auch die Salbung der Propheten (vgl. etwa Jes 61,1) sowie die christologische Rezeption in Lk 4,18 (vgl. auch Apg 4,27; 10,38; Hebr 1,9 sowie 2 Kor 1,21f). Der neutestamentliche Befund ergibt eine eindeutige Ausrichtung der Salbung auf den Taufakt: „Mit ‘Chrisma’ ist letztendlich der Geist als Gabe der Taufe angesprochen.“ (Hans-Josef Klauck) Der Geist, den Christus in der Taufe schenkt, ist der einzige Lehrer, neben dem es keine anderen Lehrer gibt, und macht die Getauften zu Wissenden (so schon Joh 6,45; vgl. Jes 54,13; Jer 31,34), die keinen anderen brauchen, der sie belehrt . Ein Herrschaftswissen, gar ein Lehrmonopol in Menschenhand erscheint dem johanneischen Denken inakzeptabel. Die Stelle 1 Joh 2,20-27 hat Brisanz, und die Auslegungsgeschichte lässt über die Versuche, diese Brisanz zu entschärfen, schmunzeln.

Das II. Vatikanische Konzil zitiert 1 Joh 2,20. 27 in der Konstitution über die Kirche „Lumen gentium“ [LG], Kap. 12. Da die ‘Konzilsväter’ aber um die Brisanz dieser Stelle wussten, holt der Kontext, in dem das Konzil diese beiden Verse anführt, das theologische, insbesondere das ekklesiologische Sachanliegen von 1 Joh 2,27 in seiner Radikalität bei weitem nicht ein. Das Konzil verbiegt die institutionskritische Spitze von 1 Joh 2,20-27, indem es den Glaubenssinn der Getauften und Gefirmten dem Lehramt der römisch-katholischen Kirche einfach unterordnet. Aber das ist genau die Intention von 1 Joh auf den Kopf gestellt. Der Glaubenssinn der Getauften und Gefirmten steht über dem kirchlichen Lehramt; letzteres hat dem Glaubenssinn der Getauften und Gefirmten zu dienen, nicht die Getauften und Gefirmten dem Lehramt zu gehorchen, wie LG 12 behauptet ( „sub ductu sacri magisterii“ – „unter Führung des heiligen Lehramtes“).

Der große antike Kirchenschriftsteller Aurelius Augustinus (+ 430) unterstreicht in seinem Kommentar 1 Joh 2,27b, dass nicht menschliche Lehrer [„magisteria forinsecus“ – Lehrer von außen“] das Wort Gottes verstehen lassen, sondern allein Christus, der als ‘innerer Lehrer’ [„magister interior“] durch den Heiligen Geist in den Getauften und Gefirmten wirkt:

„Was tun wir eigentlich, meine Brüder, die wir euch doch lehren? Wenn seine Salbung [ sc. Taufe] euch über alles belehrt, dann mühen wir uns so ziemlich ohne Grund. Wozu also machen wir einen solchen Aufwand? […] Der Klang unserer Worte trifft [von außen] auf eure Ohren, doch der Lehrer ist im Innern. Meint [also] nicht, dass einer etwas von einem Menschen lernt. Wir können zwar mit dem
Geräusch unserer Stimme ermahnen; wenn aber nicht Einer im Innern ist, der lehrt, dann ist das Geräusch, das wir machen, vergeblich. […] Diejenigen, die jene Salbung [ sc. Taufe ] nicht haben, zu denen also Christus nicht durch den Heiligen Geist, der im Innern ist, lehrt, bleiben unwissend.“ [Auguistinus, In epistolam Johannis ad Parthos tractatus / Predigten zu 1 Joh, hier: 3,13].

Dabei ist sich Augustinus der prekären Situation der johanneischen Gemeinde als einer verfolgten Gemeinde durchaus bewusst, hatten seine Predigten über den 1 Joh (Osterzeit 407) doch das Ziel, die donatistischen Spaltungen abzuwehren! In diesem Zusammenhang sagt Augustinus im Anschluss an 1 Joh 2,27:

„Lehrämter [magisteria; andere Übers.-Möglichkeit: Inhaber von Lehrämtern] sind [nur] eine gewisse Hilfe und Aufmunterung von außen [forinsecus]. Der aber, der die Herzen belehrt [= Christus], hat seinen Lehrstuhl [cathedra] im Himmel. Deshalb sagt er selbst im Evangelium: ‘Nicht sollt ihr euch auf Erden Meister [magister] nennen [lassen]; nur einer ist euer Meister [magister]: Christus’ [Mt 23,8]. Er selbst soll in eurem Innern zu euch sprechen. […] Christus sei in deinem Herzen. Seine Salbung sei im Herzen, damit das Herz in der Wüste nicht Durst leide und keine Quellen finde, daraus zu trinken.“ [Augustinus, Tractatus in epistolam Joannis ad Parthos / Predigten zu 1 Joh, hier: 3,13]

Wie der Verfasser der Johannesbriefe wehrt Augustinus der offenkundigen Gefahr, das Wirken Christi als des ‘inneren Lehrers’ angesichts drohender Spaltungen unter das Regiment des kirchlichen Lehramtes zu stellen und damit letztlich den Heiligen Geist belehren zu wollen.

Macht weiter so – unbeirrt.

Ganz liebe Grüße Heinz-Günther (02.08.2020)

(Quellen:)

II. Vat. Konzil, Lumen gentium [LG] 12, 1: Das heilige Gottesvolk nimmt auch teil an dem prophetischen Amt Christi, in der Verbreitung seines lebendigen Zeugnisses vor allem durch ein Leben in Glauben und Liebe, in der Darbringung des Lobesopfers an Gott als Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen (vgl. Hebr 13,15). Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2,20.27), kann im Glauben nicht irren. Und diese ihre besondere Eigenschaft macht sie durch den übernatürlichen Glaubenssinn des ganzen Volkes dann kund, wenn sie „von den Bischöfen bis zu den letzten gläubigen Laien“ [Augustinus] ihre allgemeine Übereinstimmung in Sachen des Glaubens und der Sitten äußert. Durch jenen Glaubenssinn nämlich, der vom Geist der Wahrheit geweckt und genährt wird, hält das Gottesvolk unter der Leitung des heiligen Lehramtes [sub ductu sacri magisterii], in dessen treuer Gefolgschaft es nicht mehr das Wort von Menschen, sondern wirklich das Wort Gottes empfängt (vgl. 1 Thess 2,13), den einmal den Heiligen übergebenen Glauben (vgl. Jud 3) unverlierbar fest. Durch ihn dringt es mit rechtem Urteil immer tiefer in den Glauben ein und wendet ihn im Leben voller an.

 

Die Rhein-Zeitung hat am 08.08.2020 in einem Artikel behauptet:

„Der Frust bei den Ehrenamtlichen ist spürbar, öffentlich Kritik äußern will man scheinbar jedoch nicht. Die Ehrenamtlichen nehmen das Bild, das die Kirchenoberen abgeben, zur Kenntnis und verrichten weiter ihren Dienst für die Gemeinde.“

 

 

Und das, obwohl sie vorher selbst unseren Leserbrief abgedruckt hatte:

Leserbrief Rhein-Zeitung vom 29.07.2020

Unser Leserbrief Rhein-Zeitung vom 29.07.2020

 

 

 

Dazu unser erneuter Leserbrief:

 

Leserbrief Rhein-Zeitung vom 15.08.2020

Unser Leserbrief Rhein-Zeitung vom 15.08.2020