Wie gutes Sterben gelingen kann – Erfahrungen und Fingerabdrücke

Liebe Kirchencafé-ler,

wir vier Frauen haben etwas gemeinsam.

Wir haben uns im Juni 2022 im Hospiz in Lohmar kennengelernt.

Anke Gerstein (2. von links) arbeitet dort als Hospizkrankenschwester und Sterbeamme, Ingrid Ittel-Fernau (ganz links) und Monika Kampmann (ganz rechts) und ich, Anja Neißner (2. von rechts) sind Freundinnen von Franz Bodo Gerono, den wir dort alle, auf unsere Art und Weise in den letzten zwei Wochen seines Lebens bis zu seinem Tod begleitet haben.

Wie hat es meine Freundin Katharina so passend formuliert?

„Wie schön, dass Bodo noch im Tod das Leben weiterträgt.“

Ja, das tut er. Noch im Hospiz haben wir vier, auf Bodos eigene Anregung hin, bereits vereinbart, gemeinsam etwas im Kirchencafé zu veranstalten.

Nach einem gemeinsamen Gottesdienst im August war es nun eine

Lesung der Hospizkrankenschwester und Sterbeamme Anke Gerstein,

die ein Buch über ihre Erfahrungen im Hospiz geschrieben hat.

Begleitet wurde sie von dem Musikerinnen-Duo

Ingrid Ittel-Fernau (89) und Monika Kampmann (76)

„Nur e bissche Zick“ / Nur ein bisschen Zeit, um das Leben zu genießen / Ingrid Ittel-Fernau (Keyboard) und Monika Kampmann (Gesang, Gitarre) / Video Anja Neißner

„Das Thema Tod wurde mit Musik und Wort auf ganz besondere Art und Weise aufgegriffen, die Caféhausatmosphäre tat ihr Übriges. Ich habe die Tode, die ich begleitet habe, vor meinem geistigen Auge noch einmal Revue passieren lassen und ich denke, das ist vielen so gegangen.“ (Annemie Ulrich)

So Vieles ist im Dialog gestern angesprochen worden.

Mich persönlich hat der folgende Auszug aus Anke Gersteins Buch „Sterben – wie ein Profi“ (auch) ganz besonders angesprochen.

Er handelte von

Fingerabdrücken, die wir im Leben hinterlassen.

„Lange habe ich gedacht, wir müssten leben und dabei möglichst viele Fingerabdrücke in unserem Leben hinterlassen. Bis meine Freundin erwiderte:

„Müssen wir das wirklich, um zu einem erfüllten Leben zu kommen?“ 

Sicherlich ist es wichtig, nach Fingerabdrücken zu suchen, wenn wir jemanden noch einmal ins Leben hineinlocken möchten.

Aber wer definiert die Größe und Wichtigkeit unserer Fingerabdrücke?

Hinterlässt nicht bereits unser Menschsein, unsere Existenz auf dieser Erde nicht ständig Fingerabdrücke? Ich hatte einmal ein einschlägiges Erlebnis. Als ich während eines Arztbesuchs verunsichert war, berührte mich eine Krankenschwester ganz leicht Noch heute spüre ich ihre wohltuende, warme Hand auf meinem Bein, die mir das Gefühl gab, „hey, Du bist nicht allein, ich bin bei Dir.“. Im Zweifel war ihr nicht einmal bewusst, was das für mich bedeutete.Diese kleine, für mich unvergessliche Geste, hat ihren Fingerabdruck in meinem Leben hinterlassen.(…)

Was ist mit Fingerabdrücken, die Leiden und Schaden zufügen?

Auch die gehören zu unserem Leben. (…) …Und keiner weiß, ob nicht auch hinter diesen Fingerabdrücken ein Sinn steckt. Es liegt an uns, keine Bewertungen darauf zu legen. 

Hinter jedem abgeschlossenen Dasein steckt die Perfektion eines individuell gelebten Lebens.

Jede Beurteilung, wie es hätte besser oder anders laufen können, kommt von außen. Sie hat mit dem gelebten Leben nichts zu tun. Die Würdigung heißt Akzeptanz und Hingabe.

Es war sein Leben, das dieser Mensch gemeistert und zum Ende gebracht hat. Das ist alles, was zählt. Das klingt nüchtern und ist doch berührend.“

(aus: „Sterben – wie ein Profi“ von Anke Gerstein)

Immer wieder herrschte reger Austausch … 

„Jeder Tag ist ein Geschenk“ / Ingrid Ittel-Fernau (Keyboard) Monika Kampmann (Gesang, Gitarre)

Herzlichen Dank

an alle die da waren! Ihr habt diesen Nachmittag zu einem Besonderen gemacht!

Im Kirchencafé vor Ort geht es weiter wie gewohnt, am 3. Sonntag im Monat:

Sonntag, 20. November 2022, 9.30 Uhr

unter Mitwirkung des Wohnzimmerchores Kempenich

Wir freuen uns auf Euch und die, die Ihr mitbringt!