Licht und Läuten für Gertrud Surges

Sabine Marienfeld (Enkelin der Verstorbenen) singt zu Beginn für uns und ihre Oma das Lied „Fragen-Vater nur du“ (Text und Melodie sind von Christian Methfessel), begleitet wird sie von Monika Bojanowski an der Orgel:

In Hönningen ist es Brauch, dass immer, wenn jemand verstorben ist, mittags nach dem Angelusläuten, mit allen Glocken geläutet wird.

Dabei läutet dann auch die Urglocke, die man ganz hell heraushören kann. Sie diente früher als Sterbeglocke. Da das Dorf sich erweitert hat, ist sie nicht überall zu hören und es wird  zusätzlich noch mit allen anderen Glocken geläutet.

Heute läuten die Glocken für Gertrud Surges:

Liebe Kirchencafé-ler,

heute haben wir die Glocke in unserem virtuellen Kirchencafé für Gertrud Surges läuten lassen, die am frühen Donnerstagmorgen im Kreise ihrer Familie, die sie im Sterben liebevoll begleitet hat, verstorben ist.

Gertrud ist 96 Jahre alt geworden. Ein begnadetes Alter, sagt man gerne.

Auf ihren Gedenk-Zettel hat ihre Familie geschrieben:

Wer´s nie empfand, kann nie verstehn, den Schmerz, die Mutter sterben sehn. Vom Muttergrab zum Himmel auf, heb tränenfeucht den Blick hinauf. Falt still die Händ und bet´ für sie, vergelt ihr Gott die Treu und Müh´!

In ihrer Familie hieß sie bei allen „Oma“, egal ob Enkel, Schwieger-enkel, Urenkel … Udo Meurer, einer der Schwiegerenkel, hat im Namen der ganzen Familie für Oma Gertrud eine Kerze angezündet.

Liebe Familie von Gertrud

und alle, die heute an sie denken, wir möchten Euch heute alle mitfühlend in unsere Mitte nehmen, ganz besonders Helmut, als einziges noch lebendes Kind von Gertrud, die auch noch zwei Töchter hatte, die aber bereits vor ihrer Mutter verstorben sind.

Gertrud, die somit 3 Kinder, 5 Enkel und 8 Urenkel hat, ist übrigens auch die Oma von Sabine Marienfeld, deren Gesang fast jeden unserer Beiträge bereichert und Elisabeth Surges, die einmal für das Kirchencafé die Jesus-Kerze in dem wunderschönen Kräuter-Mandala angezündet hat, das zu „Maria Himmelfahrt“ entstanden war (erinnert Ihr Euch?).

Diese Kerze soll auch heute unsere Jesus-Kerze sein.

Setzen wir uns nun in die Nähe Gottes, zünden uns auch zuhause eine Kerze an und hören das Evangelium des Tages: Mk 3, 20-35

Wir beginnen und enden mit dem Halleluja-Ruf / Orgel: Monika Bojanowski /

Gesang Sabine Marienfeld

Es folgt die Möglichkeit, das Evangelium zu hören, ich habe es für Euch gelesen.

GEDANKEN ZUM EVANGELIUM 

Ist es Euch auch direkt mulmig geworden bei diesem Evangelium? 

Denn irgendwas ist doch in den meisten Familien … oder? Licht und Schatten…

Und dann habe ich eine gewisse Art der Erleichterung verspürt an der Stelle, wo es heißt „Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden (…)“

Ich finde, Katharina Barth-Duran hat es sehr gut ausgedrückt, als sie schrieb:

„Mich fasziniert immer neu, wie frei dieser Jesus war und wie er damit auch uns befreien kann! Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass durch verschiedenste Belastungen und Entwicklungen sich oft sehr tiefe Gräben in der eigenen Familie auftun können, die manchmal – auch beim besten Willen nicht – zu überwinden sind. Mir hat es sehr geholfen, dass es da noch einen weiteren Familienbegriff gibt, den Jesus uns aufzeigt…

Wir alle sind geliebte Kinder eines Vaters im Himmel, der uns auch Mutter ist.“

Hören wir nun das Musikstück „Air“ von Johann Sebastian Bach, das Gertruds Urenkelin Laura Marienfeld hier auf der Klarinette spielt.

Begleitet wird sie von Monika Bojanowski an der Orgel.

In Hönningen in der Kirche gibt es den liebevollen Brauch des Verstorbenen-Gedenktisches, der immer hergerichtet wird, wenn – wie in Gertruds Fall – eine MitbürgerIn verstirbt. In dem ausgelegten Buch, das wir hier im Altarraum mit einer Kerze sehen, wurde auch ihr Name eingetragen:

Abschließend möchte ich Euch noch eine nette kleine (wahre) Begebenheit aus dem Leben von Gertrud mitgeben. Sabine verriet sie mir bei unserem Gespräch:

Gertrud ist in dem kleinen Dorf „Kirchsahr“ in der Verbandsgemeinde Altenahr aufgewachsen. Sie erzählte immer mal wieder Folgendes:

Als sie ca. 7-8 Jahre alt war, kamen – wie man damals noch zu Roma und Sinti sagte – Zigeuner in das kleine Örtchen und blieben ein paar Tage. Das war für Gertrud unglaublich aufregend und spannend und sie hielt sich oft und gerne in der Nähe des Platzes auf, wo sie für diese Tage ihre Bleibe aufgebaut hatten.

An einem dieser Tage sagte eine der „Zigeunerinnen“ zu ihr:

„Mädchen, Du wirst einmal 96 Jahre alt…“

 

Lieber Helmut, liebe Familie von Gertrud und alle, die sie vermissen,

wir, die Kirchencafé-ler, entlassen Euch nun behutsam aus unserer Mitte und bedanken uns für Euer Vertrauen und die Möglichkeit, Gertrud hier verabschieden zu dürfen. Die Liebe, mit der Ihr sie, besonders (auch) in den letzten vier Tagen begleitet habt, wird in dieser Welt bleiben und schwingen …

Wir sind in Gedanken bei Euch und umarmen Euch.

Der Klang der Glocken der Kirche in Hönningen, der ihr so vertraut war, möge sie auf ihrem Weg bis zu ihrer Verabschiedung aus dieser Welt am 19.06.2021, wie sie sie kennt, begleiten.

Ich glaube

dass niemand verloren geht

dass nichts umsonst ist

unser Suchen und Fragen

unsere vergeblichen Versuche und unsere Sternstunden

unser Streiten und Versöhnen

Freude und Schmerz

verpasste Gelegenheiten und

Heilige Augenblicke

zur rechten Zeit am rechten Ort

Es kommt der Moment

da DU uns entgegenkommst

uns auffängst und hältst

Niemand geht verloren

(Angela Boog)

 

„Meine Seele ist stille in dir“

gesungen von Enkelin Sabine Marienfeld / an der Orgel Monika Bojanowski

Hier geht es weiter, wie gewohnt, mit den virtuellen Morgenloben am 3. Sonntag des jeweiligen Monats, somit am 20.06.2021 und 18.07.2021, sowie spontanen Impulsen.

Zu unserer großen Freude können wir Euch mitteilen, dass das 

erste Morgenlob im Kirchencafé in Heckenbach vor Ort

für Sonntag, den 15.08.2021 um 9.30 Uhr

geplant ist!! Wir freuen uns riesig und hoffen, dass das klappen wird!!

Haltet Euch diesen Termin bitte frei. 

Wir möchten Euch unbedingt (wieder-) sehen und vor Ort begrüßen!!!

Herzliche Grüße

für das Team des Kirchencafés

Eure Anja Neißner