Kleine Mai(baum)Geschichte(n) Teil 5

Heilig, Heilig / Gesang: Singkreis Kaltenborn unter Leitung und musikalischer Begleitung von Silvia Groß an Pfingsten / eingesandt von Marion Marienfeld

Liebe Kirchencafé-ler,

wir begrüßen Euch ganz herzlich zu den „Kleine(n) Mai(baum)Geschichten“.

Es ist wieder ganz wunderbar, mit was für einer Fülle an verschiedenen Beiträgen Ihr Euch alle hier füreinander eingebracht habt; diese Beiträge waren so zahlreich, dass wir heute schon Teil 5 – und damit den letzten Teil – bestücken können. 

Das passt gut – die Zahl 5 steht auch für den Mai und zugleich zeigt der Mai am kommenden Montag seinen letzten Tag im Kalender an.

Heute möchten wir mit einem Beitrag von Gisela Schopp beginnen. Sie bringt uns noch einmal in Erinnerung, dass der Monat Mai ja auch der „Marienmonat“ genannt wird, als sie uns schrieb:

„Diese Bodenbilder sind bei einer religionspädagogischen Einheit zum Thema „Maria“ in der „Levana-Schule“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler, die ihre Förderschwerpunkte in der ganzheitlichen und motorischen Entwicklung hat, entstanden.

Drei Mädchen mit geistiger Behinderung (11 u. 12 Jahre) haben die Bodenbilder nach ihren individuellen Vorstellungen mit Kett-Material gestaltet.“

„Für mich spiegeln sich hier drei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten im Umgang mit diesem Thema wider.“, schreibt Gisela.

Und weiter: „Ich war so begeistert, dass ich es gerne mit anderen teilen möchte.“

Liebe Gisela, wie schön, dass Du dabei an uns Kirchencafé-ler gedacht hast!!

Vielen Dank!

 

Den folgenden Text hat Katharina Barth-Duran vor Pfingsten geschrieben. Er ist mit Blick auf die aktuelle Situation der Kirche bei ihr entstanden. 

„Trümmerfrauen von heute“

hat Katharina ihn genannt.

„Trümmerfrauen von heute“ / Text: Katharina Barth-Duran / gesprochen von Anja Neißner

Auf dem folgenden Foto seht Ihr auch einmal, wie Katharina aussieht. Sie öffnet hier zur Pfingstzeit zusammen mit ihrer Kollegin Tamara weit die Tore der Kirche St. Martinus in Schwaigern. Die beiden lassen frische Luft herein!

 

Wilfried Freischem hat uns zum Abschluss der

„Kleine Mai(baum)Geschichte(n)“

eine erdachte Geschichte geschrieben, in der so einige Eindrücke auftauchen, die vielen von uns aus der Zeit hier im virtuellen Kirchencafé bekannt vorkommen könnten:

Der kleine Maibaum

(von Wilfried Freischem)

Es ist Mai und jung noch der Tag.

Vor dem offenen Stubenfenster des kleinen Landhauses schmückt sich eine Amsel in der Blütenpracht eines Kirschbaums und trällert seiner Liebsten, die wohl in der Nähe ihrem Brutgeschäft nachgeht, aus gelbem Schnabel, die schönsten Amselarien, Melodien, die dem Vogel wohl nur zur Maienzeit in den Sinn kommen.


In der Stube, an einem blank gescheuerten Tisch sitzt eine Frau über deren hübsches Gesicht der rötliche Widerschein einer kleinen flackernden Kerze huscht und zuckt.

Frisch angezündet muss sich der kleine Wachsling mit seiner zarten Seele, dem Docht ins Helle, ins Licht kämpfen. So, wie ein kleines Kind, das Laufen lernt, von Fall zu Fall. Mal glimmt nur noch die Dochtspitze und dann lodert ihr Feuer doch wieder wie glühendes
Magma zum Himmel. Und das ist gut so, soll doch ihr Licht brennen für den Glauben, für ein Gebet, wo Worte versagen, um Hilfe bitten.


In Gedanken versunken dreht die Frau den schlichten Kerzenhalter, der vor Jahr und Tag einmal als Birke gewachsen ist, spürt die samtig weiße Rinde. Ein leises Kichern perlt über ihre Lippen und sie versinkt im Paradies schöner Erinnerungen.

Video: Anja Neißner


Es ist der letzte Tag im April, da ist ein junger Mann, der geht da oben in irgend einem Waldwinkel von einem Birkenbäumchen zum nächsten, umfasst jedes mit seiner kräftigen Hand, schaut hoch und meint, „nein, du bist mir zu krumm gewachsen“, an einem anderen hat sich die Wildsau ihre Schwarte gerieben und bei dem nächsten hat schon irgend ein Amor sein pfeildurchbohrtes Herz eingeritzt. Dann aber kommt er an ein Bäumchen, leuchtend weiß, zart flirren schon die jungen Blätter in lichtem frühlingsgrün, und gerade gewachsen ist es auch. „Du bist hübsch“, meint der junge Mann zu dem zarten Geschöpf, „du passt zu meiner Liebe, ich nehme dich mit“, und nimmt es mit.


Zuerst ist das kleine Birkchen erschrocken, auch das geringste Bäumchen zieht ja nicht gerne um. Als es aber von Bändern gehalten und bunten Streifen über und über geschmückt ist, legt es doch vor lauter Stolz sein schimmerndstes Weiß auf seine Rinde. „Jetzt bin ich ein Maibäumchen, jeder, der an mir vorbeigeht, streichelt meine Rinde und bewundert die, in
der Maienluft flatternden, bunten Bänder.“

Da sind die grünen Bänder für neues, für junges Leben, die Gelben für Licht, Heiterkeit und Optimismus, dann die Blauen, sie flattern für Hoffnung und Zuversicht. Ganz besonders viele Rote leuchten da in der Frühlingssonne, die Farbe der Leidenschaft und der Liebe.

Die Frau an dem blank gescheuerten Tisch streicht immer noch zärtlich über die so weiß schimmernde Rinde des kleinen Kerzenhalters und lächelt in der Erinnerung an die vielen roten Bänder.


Der Mai hat ja schon einunddreißig Tage, aber auch der schönste Mai hat einmal sein Ende. Die Sonne hat sich über die Zeit die eine oder andere Farbe aus den Bändern genommen und auch der Regen hat sich seinen Teil geholt.

Den Maibaum jetzt zersägen, in Stücke hacken?

Nein, in der Erinnerung schüttelt sie jetzt noch, mehr unbewusst, aber energisch, ihren Kopf.

Dann wurden aus diesem Maibäumchen kleine schöne Kerzenhalter
gedreht, für Kerzen, die beten, die bitten, aber auch danken sollen.


So nach und nach kommt die Frau aus ihren Erinnerungen wieder ins Jetzt.

„Heute würde ich vielleicht auch noch Könige aus dem schönen Holz schnitzen“, murmelt sie leise vor sich hin. „Oder Königinnen. Oh ja, Maiköniginnen und weiß anpinseln brauchte man die ja noch nicht mal. Wie ein Umhang aus edlem Hermelin ist doch die samtweiße Rinde mit ihren kleinen schwarzen Tupfen und zarten Bändern.“

Wir danken Euch von Herzen für die liebevollen Mai-Beiträge!

Nun aber noch etwas anderes…

Erinnert Ihr Euch noch an das letzte Jahr? An Fronleichnam? 🙂

Wir hatten doch diesen wunderbaren, virtuellen Blütenteppich aus Euren eingesandten Lieblings-Blüten-Fotos entstehen lassen. Wollen wir das nicht noch mal machen?

Ich fände das sehr schön!

Nächste Woche, am Donnerstag, den 03.06.2021, ist wieder Fronleichnam.

Bitte sendet mir doch wieder ein Foto Eurer Lieblingsblüte

per whatsApp, SMS oder Mail 

bis Sonntag, den 30. Mai 2021 zu!

Dann können wir an Fronleichnam wieder einen besonderen Impuls mit einem tollen, individuellen Blütenteppich entstehen lassen!

Wir können Gott wieder mit seiner eigenen Schöpfung ehren:

(M)eine Blüte für Gott!

Hier findet Ihr die Kontaktdaten zum Senden Eurer Fotos

Herzliche Grüße

für das Team des Kirchencafés

Eure Anja Neißner